Interview mit Mattias Maierhofer

«Jeder Haushalt braucht Glasfaser»

Im Interview spricht der CEO von FL1 über die Vorzüge von Glasfaser, den geplanten Ausbau in Liechtenstein und dessen Bedeutung für die heimische Wirtschaft. Ausserdem erklärt er, weshalb jeder Privathaushalt einen Glasfaser-Anschluss braucht – und was das bedeutet.
Interview: Stephan Agnolazza

Herr Maierhofer, die Telecom gilt als einer der grossen Treiber hinter einem schnelleren Glasfaser-Ausbau. Weshalb reicht es nicht, wenn Liechtenstein wie ursprünglich geplant bis 2032 auf Glasfaser umstellt?
Mathias Maierhofer: Das hat vor allem zwei Gründe. Einerseits verändert sich die Datennutzung. Wir haben zwar heute schon respektable Downloadbandbreiten, im Upload aber hapert es noch gewaltig. Hier sind wir mit 2 bis 3 Megabit pro Sekunde limitiert. Dabei wird der Upload immer wichtiger – gerade durch die Cloud-Dienstleistungen. Das limitiert unsere Serviceleistungen. Andererseits benötigen wir Glasfaser, um 5G zur Verfügung stellen zu können. 5G ist die 5. Generation des mobilen Netzes und wird viel schnelleren Datenaustausch ermöglichen. Hierfür ist Glasfaser die Grundinfrastruktur.

Inwiefern?
Jede Antenne, ob gross, mittel oder klein, muss an einen Glasfaser-Anschluss angebunden sein, damit die Daten abtransportiert werden können. Das heisst, wir haben sowohl als Mobilfunk- als auch als Servicedienstleister ein Interesse daran, dass Glasfaser kommt.

Derzeit wird der Glasfaser-Ausbau in jedes Haus und jede Wohnung angestrebt. Jetzt kommt mit 5G aber ein viel leistungsfähigeres mobiles Netz, auf welches man ja auch per Internet Cube zugreifen kann. Braucht da jeder Haushalt einen eigenen Glasfaser-Anschluss?
Ja, das ist nötig. Erstens bietet jede dedizierte Leitung, die ich zu Hause habe, eine ganz andere Qualitätssicherstellung. Ein Mobilfunk dagegen wird immer ein geteiltes Medium sein. Bestimmte Dienstleistungen benötigen aber garantierte Bandbreiten, was sich über Mobilfunk nicht sicherstellen lässt.

Aber braucht das der Privathaushalt?
Ja. Wir sind auf dem Weg in eine Zukunft mit Virtual Reality, mit 4K-, 8Kund sogar 16K-Fernsehern und vieles mehr. Das Leben wird sich massiv verändern. Das ist auch keine ferne Zukunftsvision, sondern daran wird heute gearbeitet. Dafür sind Gigabit-Bandbreiten nötig. Wir sind auf dem Sprung in die Gigabit-Gesellschaft. Spätestens dann stellt sich die Frage: Kann Herr und Frau Liechtensteiner diese Produkte konsumieren oder nicht?

Und der zweite Punkt?
Festnetz und Mobilfunk werden verschmelzen. Man kann sich das so vorstellen, dass das WLAN zu Hause ein Teil von 5G sein wird. Wenn man von unterwegs nach Hause kommt, ist es technisch gesehen ein Netz. Und hohe Bandbreiten braucht man auch zu Hause, sei es für Virtual Reality, Gaming oder auch für den Medienkonsum.

Und das lässt sich nicht über 5G abdecken?
Nein. Wir brauchen eine sehr starke Infrastruktur. Wir werden pro Quadratkilometer einige Hundert 5G-Zellen haben. Es wird die grossen Makrozellen geben für die Grundversorgung und gleichzeitig viele kleine Zellen, zum Beispiel durch das WLAN zu Hause.

Ist ein separater Glasfaser-Anschluss auch sicherer?
Naja, es ist eigentlich keine Sicherheitsfrage, sondern eine Leistungsfrage.
Kommen wir zum konkreten Ausbau in Liechtenstein: Ein Netzplanungsgremium, in welchem auch die Telecom sitzt, hat entschieden, dass Liechtenstein in fünf bis sechs Jahren ein Glasfaser-Standort sein soll.

Warum?
Unsere Kunden vergleichen die Dienstleistungsprofile von uns mit den Mitbewerbern – beispielsweise in der Schweiz. Dann stellen sie sich natürlich die Frage, weshalb wir nicht symmetrische Angebote anbieten, also 200 Megabit im Down- und 200 Megabit im Upload. Im Downlad kriegen wir das gerade noch so hin, im Upload haben wir keine Chance. Wir sind gegenüber vielen Gebieten in Europa vom Ausbau her benachteiligt. Das führt zu einer Nachfrage, welche wir derzeit einfach nicht bedienen können. Und die Situation wird sich weiter verschärfen. Wir sind im Benchmark mit vergleichbaren Wirtschaftsregionen im Hintertreffen.
Trotzdem brauchen wir fünf bis sechs Jahre, bis wir Glasfaser haben.

Ein solcher Ausbau lässt sich natürlich nicht innerhalb weniger Wochen realisieren. 2020 wird 5G eingeführt, bis dann muss das Glasfaser-Grundgerüst stehen. Wir müssen verstehen, dass der Glasfaser-Ausbau für den Wirtschaftsstandort zwingend notwendig ist. Das ist kein Nice-to-have, sondern es ist eine Grundvoraussetzung für das, was uns in naher Zukunft erwartet. Eine zeitgerechte, digitale Infrastruktur ist ein Innovationstreiber.

Die LKW stellen aber heute bereits jedem Privathaushalt als auch jedem Unternehmen auf Wunsch Glasfaser zur Verfügung.
Ja, aber 5G wird in Zukunft in so vielen Bereichen benötigt. Sei das bei Drohnen, beim autonomen Fahren, bei Fern-Chirurgie – alle Bereiche des «Internet of Things» brauchen ein schnelles und leistungsfähiges Internet. Weil das «Internet of things» aber bei uns allen zu Hause als auch in den Unternehmen stattfinden wird, reicht es nicht, nur die Firmen damit auszustatten.

Weshalb nicht?
Wir werden mit 5G in der Lage sein, Zehntausende Objekte mit dem Internet zu verbinden. Wenn also beispielsweise jedes Hemd eine SIM-Karte eingewoben hat, welches der Waschmaschine signalisiert, wie es zu waschen ist, dann sind das unzählige Verbindungen, welche aufrechterhalten werden müssen. Heute geht man davon aus, dass wir durchschnittlich 1,6 SIM-Karten besitzen. Das werden in einigen Jahren 50 oder 100 sein, weil die Dinge des alltäglichen Lebens damit ausgestattet sein werden und somit mit dem Internet verbunden. Das führt zu riesigen Datenmengen und Volumina.

In Triesen und Mauren läuft der Ausbau bereits. Kann ich dann, wenn ich das möchte, weiterhin meine Daten über Kupfer und Koax beziehen oder muss ich umsteigen?
Bei der jetzigen Planung geht man davon aus, dass Glasfaser Kupfer und Koax ersetzen wird. Das macht durchaus Sinn – wir können ja im Land nicht parallel drei Systeme unterhalten. Glasfaser ist dabei den anderen beiden Trägermedien so dermassen überlegen, dass man diese getrost abstellen kann.

Man muss also umstellen.
Es macht keinen Sinn mehr, auf die alte Technik zu setzen. Als die Eisenbahn kam, hat man auch nicht das Postkutschennetz noch parallel betrieben.

Wer trägt die Kosten für Erschliessung im Haus? Bis zum Haus werden sie ja von den LKW getragen.
Hier überlegen wir uns derzeit gerade Angebote, wie wir hier unterstützen können. Etwas Spruchreifes gibt es aber noch nicht.
Es gäbe ja auch die Möglichkeit, die Kupfer- und Koax-Leitungen im Haus weiter zu nutzen, indem man einfach einen Konverter einbaut.

Kommt das für Sie nicht in Frage?
Natürlich gibt es die Möglichkeit, Brückentechnologien einzusetzen, z. B. «G.fast», welche es uns erlauben würde, die Kupferdoppelader weiter zu verwenden. Das ist jedoch nicht die Zukunft. Daher setzen wir als FL1 auf Glas. Wenn der Endkunde aber keine Änderungen wünscht, wird sich vorerst nichts ändern.

Aber insgesamt wird die Umstellung auf Glasfaser im Vergleich zum heutigen Angebot für den Durchschnittskunden kostenneutral verlaufen?
Im Gegenteil: Man wird für dasselbe Geld viel mehr bekommen. Aber nochmals: Die Frage Glasfaser ja oder nein geht weit über den Mobilfunk oder Provider hinaus. Es ist eine strategische Standortfrage. Wir können jetzt nur noch zu den starken Industriestandorten aufschliessen. Zum Vorausgehen oder gar Überholen ist es schon zu spät. Deshalb ist es höchste Zeit, dass Liechtenstein endlich umstellt.

2017-05-15T13:26:20+00:00 15.05.2017|0 Comments

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